Eine Kindheit gegenüber der syrischen Grenze von 1967…. und wie es sich heute dort lebt.

1882 gründeten Einwanderer aus Rumänien, zeitgleich mit anderen Siedlungen unter dem Patronat von Baron Edmond de Rothschild die kleine Siedlung „Rosh Pina“ im Norden des damaligen Palästina. Das Siedlungsgebiet hatte der Baron von der JCR  (Jewish Colonization Association) gekauft.
1882 lag Rosh Pina am Ende der Welt. Eingezwängt zwischen  See Genezareth, Golan, Carmel und Libanon drohte es im 20 Jhdt. in der Vergessenheit zu versinken.
Doch im Jahr 1948 gründeten britische Einwanderer den Kibbuz  „Kfar HaNassi“. Dieser Kibbuz (mit heute ca. 400 Mitgliedern) liegt wenige Kilometer östlich von Rosh Pina, oberhalb des Jordantales. An klaren Tagen kann man den (im Winter schneebedeckten) Hermon sehen, ebenso den Golan und die Berge des Libanon, die in Spazierdistanz liegen.

Heute, im  Juni 2011, scheint (noch) alles ruhig und friedlich, obwohl die Aufmerksamkeit gespannt ist, die Zeichen dafür sind subtil.

1967 war kein friedliches Jahr.

Es begann damit, dass die Schulwege nicht mehr sicher waren. Um sich vor dem andauernden Beschuss von Syrien zu schützen, wurden Eukalyptusbäume gepflanzt. Diese schnellwachsenden Bäume versprachen wenigstens einen minimalen Schutz für die Kinder vor dem Beschuss. (Übrigens, diese Technik wird heute auch in Gaza angewendet.)

Die Grenzen waren unruhig und die Bewohner des Kibbuz verbrachten drei lange, heiße Wochen im Bunker, jeder wusste genau, wohin er gehen musste. Die Bunker existieren heute noch, mittlerweile sind sie etwas luxuriöser, mit Chemieklo und Lüftung. Aber drei Wochen darin leben müssen… Drei Wochen, ohne zu wissen, ob draußen die Welt noch steht, oder ob sie schon eingeäschert worden ist.

Das Leben im Kibbuz war und  ist ein Kindertraum, viel Platz, Leben in früher Selbstbestimmung. Ein Leben im Mikrokosmos, offen und geschützt zugleich. Und doch so verletzlich.

Wir haben ein Wochenende im Kibbuz HaNassi erlebt. Wir, das ist eine modern-orthodoxe Gemeinde. Unser Rabbiner wurde in diesem Kibbuz geboren, seine Eltern leben dort, es sind wunderbare Menschen. So wie alle, die wir getroffen haben. Sie sind stolz auf ihren Kibbuz.

Sie bedauern, dass es heute wieder Grenzen und Zäune geben muss.

Einen nicht sichtbaren zu den syrischen Nachbarn und einen sichtbaren zu den Beduinen auf der anderen Seite des Tales. Ich weiß nicht, welchen ich mehr ablehne.

Während ich dies schreibe, kommen 18 Black-Hawks von einem Flug zurück, zu dem sie vor ca. vier Stunden gestartet sind. Ich habe keine Ahnung, wohin sie am Abend geflogen sind, ich weiß nicht, von wo sie zurückkommen.

Ich bin einfach nur froh, dass es unsere Jungens sind, die über mein Haus fliegen, und ich hoffe, sie passen gut auf, dass in Rosh Pina das Haus für autistische Kinder bestehen kann und in Kfar HaNassi die Puppe, die ein Kind gestern auf dem Stuhl vergessen hat, nicht Angst vor einem Angriff haben musste.

Ach ja, ich lebe übrigens auch in einer von Rothschild gegründeten Stadt!

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